18.11.2024
Automation in the laboratory - from manual routine work to innovative high-tech solutions.
Interview
In this interview, Klaus Kronberger and Nico Kronberger explain to AIF Innovators NET how future technology and decades of expertise are coming together to revolutionize laboratory processes.

Interview: Automatisierung im Labor – von manuellen Routinearbeiten hin zu innovativen High-Tech-Lösungen.
Am November 18, 2024 veröffentlicht
Mitgliedsvorstellung
In diesem Interview erläutern Klaus Kronberger und Nico Kronberger (Adiro Automatisierungstechnik GmbH), wie Zukunftstechnologie und jahrzehntelange Expertise zusammenkommen, um Laborprozesse zu revolutionieren.
Frage: Adiro hat sich auf die Automatisierungstechnik in verschiedenen Bereichen spezialisiert. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen und Chancen im Bereich der Labor- und Analysetechnik, speziell im Hinblick auf Automatisierung?
Aus der Perspektive eines Automatisierungstechnikers erkennen wir, dass in vielen Laboren nach wie vor zahlreiche Routinearbeiten manuell durchgeführt werden. Dies führt nicht nur zu einer Verschwendung wertvoller Personalkapazitäten und Fachkenntnisse, sondern auch zu Verzögerungen bei Laborergebnissen und einem erhöhten Risiko von Verwechslungen. Gleichzeitig sind wir uns der großen Variantenvielfalt und der Komplexität der Prozesse sowie der eingesetzten Substanzen und Hilfsmittel bewusst. Diese Herausforderungen bieten jedoch auch spannende Chancen. Wir sind überzeugt, dass wir unsere umfangreiche Erfahrung aus der industriellen Produktionstechnik, insbesondere im Bereich Robotik, erfolgreich in die Laborautomatisierung einbringen können. Unsere Stärken liegen in der Überwachung von Prozessen mit Sensoren, der automatischen Ausführung von Bewegungen und der Handhabung von Materialien – sei es beim Pumpen, Dosieren, Rühren oder Temperieren von Flüssigkeiten oder beim Wiegen und Fördern von pulvrigen Medien.
In der heutigen Labor- und Analysetechnik stehen wir vor mehreren bedeutenden Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Eine der zentralen Aufgaben besteht darin, höchste Prozesssicherheit zu gewährleisten, um verwechslungsfreie Analysen zu ermöglichen. Dies schließt die Erfassung von Prozessdaten zur Rückverfolgbarkeit ein, was für die Qualitätssicherung unerlässlich ist. Darüber hinaus ist es wichtig, den Durchsatz, die Präzision und die Wiederholgenauigkeit zu maximieren, um die Effizienz der Laborabläufe zu steigern.
Ein weiterer entscheidender Aspekt ist die Sicherstellung von Skalierbarkeit und Flexibilität, um auf schwankende und sich verändernde Auftragslagen der Labore angemessen reagieren zu können. Dies erfordert ein tiefes Verständnis und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Naturwissenschaft, Technik und Laboradministration. Schließlich ist es von großer Bedeutung, die Wirtschaftlichkeit und Amortisationszeiten aufzuzeigen, um auch kleineren Laboren den Zugang zur Automatisierung zu erleichtern. Diese Herausforderungen bieten nicht nur Ansatzpunkte für Verbesserungen, sondern auch Chancen, die Effizienz und Qualität in der Laborarbeit nachhaltig zu steigern.
Frage: Die Fluidik, also flüssige "Materialien“ in den verschiedensten Anforderungen zu automatisieren, ist ein spannendes Konzept.
Wie setzt Adiro diese prozessorientierten Herausforderungen technologisch konkret um, und welche neuen Möglichkeiten sehen Sie in der Zukunft für die Nutzung?
Die Automatisierung von flüssigen Materialien in verschiedenen Anwendungen ist in der Tat ein spannendes Konzept, und bei Adiro setzen wir auf innovative Technologien, um diese Herausforderungen prozessorientiert zu meistern. Je nach spezifischen Prozessanforderungen wählen wir entweder klassische Pumplösungen oder, wenn eine besonders präzise Dosierung erforderlich ist, schrittmotorgetriebene Spritzenpumpen.
Ein weiteres Highlight unserer Technologie ist die Zusammenarbeit mit FESTO, bei der wir das druckunterstützte Handhaben von Flüssigkeiten nutzen. Dies ermöglicht uns, einen kontinuierlichen Fluss zu gewährleisten und Dispensiervolumen von nur 1 μl präzise zu pipettieren. Der Transport des Mediums erfolgt dabei mit pneumatischer Energie, was einen pulsationsfreien Fluss sicherstellt. Die genaue Einstellung des Zielvolumens erfolgt über die Aktivierungszeit des Ventils, und das baugleiche System kann auch zum Aspirieren verwendet werden.
Frage: Weshalb spielt der Bereich „Didaktik“ eine so große Rolle?
Der Bereich „Didaktik“ spielt eine zentrale Rolle in unserem Unternehmen, da er seit unserer Gründung im Jahr 1990 fest in unserer Firmen-DNA verankert ist. Von Anfang an haben wir die Aus- und Weiterbildung in Mechatronik handlungsorientiert gestaltet, indem wir modulare Produktionssysteme eingesetzt haben. Unser Ziel ist es, die Bildung von Fachkräften so zu bereichern, dass die Lernenden schnell und effektiv verstehen, was ihnen später in ihrem beruflichen Alltag begegnen wird – sei es in größeren, schnelleren, komplexeren oder sogar gefährlicheren Situationen. Wir bieten eine Art „Lego-Technik im Industrieformat“, die es den Lernenden ermöglicht, praxisnah zu arbeiten und zu lernen.
Bereits seit 1992 haben wir uns intensiv mit dem Thema Robotik beschäftigt, und unser Know-how kommt nicht nur unseren Kunden zugute, sondern auch der Industrie insgesamt. Unsere didaktischen Ansätze sind so gestaltet, dass sie die Begreifbarkeit von Hardware durch den Einsatz von Industriekomponenten fördern und gleichzeitig Softwarelösungen von Marktführern integrieren. Lehrkräfte profitieren von unserer Teachware, die es ihnen ermöglicht, sich auf die Anpassung ihres Unterrichts zu konzentrieren, während wir die Erstellung von Aufgaben übernehmen. Zudem bieten wir Training an, um unser Spezialwissen im Bereich Automatisierung und Anlagenbau an Lehrkräfte und Betriebspersonal weiterzugeben.
Im Laufe der Jahre haben wir unser Portfolio um die Prozess- und Umwelttechnik erweitert, was uns ermöglicht, Lern- und Forschungsfelder für Naturwissenschaft und Technik zu schaffen. Angesichts der aktuellen Herausforderungen wie Künstliche Intelligenz, Energie- und Ressourcenoptimierung sowie dem Fachkräftemangel sehen wir es als unsere Verantwortung, lebenslanges Lernen zu fördern und einen Beitrag zur Verbesserung der Umweltbedingungen zu leisten. Dies wird besonders deutlich in unseren Aktivitäten im Rahmen der Worldskills im Skill 55 „Water Technology“, wo wir aktiv an einem weltumspannenden Netzwerk von Bildungsinitiativen mitwirken. Die Didaktik ist somit nicht nur ein Teil unserer Unternehmensphilosophie, sondern auch ein Schlüssel zu einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Bildung.
Frage: Klaus Kronberger, sie waren aktiv in projektbegleitenden Ausschüssen involviert.
Welche Erfahrungen haben Sie aus diesen Gremien mitgenommen, und wie haben diese zur erfolgreichen Umsetzung von Projekten beigetragen?
In meiner aktiven Beteiligung an projektbegleitenden Ausschüssen habe ich wertvolle Erfahrungen gesammelt, die entscheidend zur erfolgreichen Umsetzung unserer Projekte beigetragen haben. Netzwerken ist ein zentraler Bestandteil unserer Firmenphilosophie, und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen wie der AIF, Lehrerverbänden, der DWA zur Umweltbildung und dem Hochschulverein VF-AALE im Bereich Automatisierungstechnik. Dies hat uns nicht nur wertvolle Beziehungen ermöglicht, sondern auch den Austausch von Wissen und Best Practices gefördert. Diese Verbindungen sind für die Weiterentwicklung unseres Unternehmens unerlässlich.
Darüber hinaus spielen Messen wie die IFAT, ACHEMA, AUTOMATICA, SPS/IPC und DIDACTA eine wichtige Rolle in unserem Networking. Sie bieten uns die Gelegenheit, aktuelle Trends und Entwicklungen zu verfolgen, insbesondere im Bereich Robotik, wo es ständig rasante Neuerungen gibt. Um mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten, sind starke Netzwerke unerlässlich. Wir sind daher bestrebt, uns aktiv an der Idee eines Expertenkreis der AIF zum Thema Robotik zu beteiligen, um unser Wissen zu erweitern und gemeinsam an innovativen Lösungen zu arbeiten. Diese Erfahrungen und die daraus resultierenden Kooperationen haben nicht nur unsere Projekte bereichert, sondern auch unsere Fähigkeit gestärkt, Herausforderungen proaktiv zu begegnen und erfolgreich zu meistern.
Frage: Wie konnte die AIF FTK GmbH - sprich InnovatorsNet - in der Zusammenarbeit bei der Projektentwicklung unterstützen?
Die AIF FTK hat uns in der Zusammenarbeit bei der Projektentwicklung auf vielfältige Weise unterstützt, was für den Erfolg unserer Initiativen von großer Bedeutung war. Die strategische Bedeutung von Förderprojekten wurde durch die AIF FTK klar kommuniziert, was uns half, die Relevanz und den Wert dieser Projekte für unsere Unternehmensziele zu erkennen. Besonders wertvoll war die Unterstützung durch Ralf Colin, der uns mit seinen Vorbegutachtungen und der Entwicklung innovativer Ideen zur Seite stand. Diese Expertise hat es uns ermöglicht, die Förderfähigkeit unserer Projekte erheblich zu steigern und sicherzustellen, dass wir die richtigen Ansätze verfolgen. In diesem Zusammenhang helfen und halfen uns unter anderem persönliche Kontakte in Aus- und Weiterbildungsinstitutionen durch die AIF FTK GmbH, wie unter anderem zu Prof. Marius Pflüger, der mit seiner praxisorientierten Expertise maßgeblich an einem Förderprojekt mitarbeitete. Solch ein Community-Nukleus aus Industrie-, Entwicklungs- wie Forschungsorientierung ist für uns als Unternehmen von erheblichen Vorteil in der Innovationsstrategie unseres Unternehmens.
Darüber hinaus hat die Beratung durch Rainer Färber von der AIF-FTK in den Bereichen Marketing, Kommunikation und Vertrieb einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass sich die Adiro Automatisierungstechnik GmbH besser auf dem Markt positionieren konnte. Durch gezielte Strategien und Kommunikationsmaßnahmen konnten wir unsere Innovationskraft klarer darstellen und unsere Zielgruppen effektiver ansprechen. Diese umfassende Unterstützung hat nicht nur unsere Projektentwicklung gefördert, sondern auch unsere gesamte Marktpräsenz gestärkt, was für unser weiteres Wachstum von großer Bedeutung ist.
Herzlichen Dank für die wertvollen Einblicke!